Vorbereitung zum Frühjahrskonzert(EH/SAN +...)

Notfallszenarien für Ersthelfer bis Rettungsdienstmitarbeiter.

Foren-Übersicht Erste Hilfe, Rettung und Medizin Fallbeispiele

10.05.2010, 22:06
Hallo,

Ich habe ein paar Fragen zum FB:
[list=1]
[*]Ist es wahrscheinlich/passiert es häufiger, dass jemand mit den Verletzungen wie Patient 1 (also Polytrauma), erst bewusstlos ist, dann aufklart, aufsteht und ganz normal redet, aber dann relativ schnell reanimationspflichtig wird?
[*]Warum habt ihr ein SEG-T bestellt bei drei Verletzten? Ab wie viel Patienten wird das normalerweise angefordert?
[*]Wie ist das mit dem LNA geregelt? Also ist das einfach der erfahrenste NA, der vor Ort ist oder wird der extra alarmiert und hat eine Zusatzausbildung?
[/list=1]

Grüße
Berliner Schildkröte
High-water Food Service
Private Coffee, 3. preußisches Sanitätsgeschwader Berlin

10.05.2010, 22:30
Original von Markus
So manches passte in den Verlauf nicht wirklich.

Du wolltest mit der epiduralen Blutung und dem geschilderten Verlauf die typische zweizeitige Bewusstseinseintrübung andeuten nehme ich an. Initiale Bewusstlosigkeit als Folge der direkten Krafteinwirkung auf das Gehirn beim Sturz, anschließendes Aufklaren (freies Intervall) - die Phase, in der der Patient halt ansprechbar, jedoch verwirrt war, und anschließende Eintrübung durch Zunahme der Raumforderung (arterielle Blutung mit zunehmender Kompression) - Richtig?

Mit der Beschreibung Zweite RR-Messung HF=? , Carotis HF:60, totale Arrythmie, Druckpuls! selbe an Radialis wolltest du vmtl. auf den Cushing-Reflex hinaus (http://de.wikipedia.org/wiki/Cushing-Reflex) - allerdings hast du diesen in die erste Phase hineingebaut - alerdigns tritt dieser, wenn überhaupt, erst in der zweiten Phase auf, weil dann ja bei zunehmender Blutung und erhöhtem Schädelinnendruck ein erhöhter Blutdruck zur Durchblutung notwendig ist.



Richtig erkannt von dir. War ein Fehler meinerseits, der entstand, um es David nicht ganz so mühsam zu machen ;-)

Die von dir zitiere stelle ist jedoch leider ein bisschen aus dem Zusammenhang gerissen. Wollte dadurch verdeutlichen, dass der RR wieder steigt, die einblutung somit masiver wird. (siehe Aussage im dem Zitat vorausgehenden Post)

@Berliner Schildkröte:

Wahrscheinlich ist dies meines Erachtens vor allem bei betrunkenen Patienten. Dort kommt es häufiger vor, dass ein Patient nach sturz kurzzeitig bewusstlos ist, nach kurzer Zeit jedoch vollkommen aufklart und den Transport verweigert. In diesem Fall ist es überspitzt dargestellt durch die komb. mit einen Spannungspneu. Normalerweise passiert dies nicht ganz so zeitnah. Bei Betrunkenen meist in den folgenden 12-24h.

Zu 2.: Vermute die Anforderung ergab sich zur Absicherung, nachdem ja nicht auszuschließen war, dass bei den 15 "unverletzen" nicht doch was passiert.

Anfordern kann man diese , bei mir in Schwaben, als Hintergrund Rettungsdienst oder wenn die Regelrettungs ausgeschöpft ist. Ebenso werden SEG`n teilweise gerne zur Brandabsicherung herangezogen, um kein Fahrzeug des RegelRD binden zu müssen.

zu 3.: Ein LNA ist anfangs der erste am Einsatzort eintreffende, ähnlich zum ersteintreffenden RettAss als komm. ELRD/OrgL. Normalerweise ist dies jedoch eine Zusatzausbildung, zu welcher man berufen wird. Ansonsten gäbe es LNA en mass. Dies ist jedoch von Ort zu Ort unterschiedlich.
Quod licet Iovi, non licet bovi.

10.05.2010, 22:38
Okay, danke für die Infos. :))

Grüße
Berliner Schildkröte
High-water Food Service
Private Coffee, 3. preußisches Sanitätsgeschwader Berlin

10.05.2010, 22:44
Original von KruSan
Richtig erkannt von dir. War ein Fehler meinerseits, der entstand, um es David nicht ganz so mühsam zu machen ;-)

Oh, sehr freundlich, danke ^^

11.05.2010, 17:15
Eine Frage ist bei Buschi und mir aufgetaucht (NICHT GEDACHT FÜR EH! ):
Hätte der Junge nicht gemäß den aktuellen RD-Richtlinien mit 15:2 reanimiert werden sollen/können?

Ich weiß nach der ERC 2010 wird sich vermutlich einiges ändern, aber der aktuelle Stand sagt doch noch 15:2 bei Kindern, oder?
Mitglied bei *dem* BRK und bei den Brandpatschen

11.05.2010, 17:22
Original von Max
Eine Frage ist bei Buschi und mir aufgetaucht (NICHT GEDACHT FÜR EH! ):
Hätte der Junge nicht gemäß den aktuellen RD-Richtlinien mit 15:2 reanimiert werden sollen/können?

Ich weiß nach der ERC 2010 wird sich vermutlich einiges ändern, aber der aktuelle Stand sagt doch noch 15:2 bei Kindern, oder?

Keine Ahnung, was die ERC 2010 sagt, aber mein Lehrbuch für den Sanitätsdienstleisten-Kurs sagt: "Für alle Patienten (vom Säugling bis zum Erwachsenen) gelten nach den aktuellen BSL Richtlinien: ~ 100 Thoraxkompressionen, ~ 6-8 Beatmungen pro Minute und der 30:2 Zyklus!"

11.05.2010, 18:56
@ David - BLS sagt klar 30:2, jedoch ist hier durchaus ALS als Richtlinie hinzuzuziehen.

In diesem Fall ist ohnehin sofort ein LT platziert worden, dann wird ja ohnehin asynchron reanimiert, sofern es kein großes Leck gibt:


Once a tracheal tube, Combitube or supraglottic airway device has been inserted, ventilate the lungs at a rate of 10 breaths min1 and continue chest compressions without pausing during ventilations. The seal of the LMA around the larynx is unlikely to be good enough to prevent at least some gas leaking when inspiration coincides with chest compressions. Moderate gas leakage is acceptable, particularly as most of this gas will pass up through the patient’s mouth; if excessive gas leakage results in inadequate ventilation of the patient’s lungs, chest compressions will have to be interrupted to enable ventilation, using a compression—ventilation ratio of 30:2.


Ansonsten würde ich das auch eher von Statur, Aussehen ect. abhängig machen als von einer starren Altersvorgabe - die ERC-Leitlinie macht Kind / Erwachsener von Pubertätszeichen abhängig - aber wie die Leitlinie schon sagt, der EKG samt Blick in Unterhose ist nicht notwendig:
The onset of puberty, which is the physiological end of childhood, is the most logical landmark for the upper age limit for use of paediatric guidance. This has the advantage of being simple to determine, in contrast to an age limit in years, as age may be unknown at the start of resuscitation. Clearly, it is inappropriate and unnecessary to establish the onset of puberty formally; if rescuers believe the victim to be a child they should use the paediatric guidelines. If a misjudgement is made and the victim turns out to be a young adult, little harm will accrue, as studies of aetiology have shown that the paediatric pattern of arrest continues into early adulthood.19 An infant is a child under 1 year of age; a child is between 1 year and puberty.


In diesem Fall hat ja ohnehin die Behebung der Ursache (HHHHHITS) den Reanimationserfolg gebracht.

(quelle ERC.edu)

11.05.2010, 20:59
@Markus:

Sicher wird der Patient mit dem Larynxtubus dann asynchron beatmet. Das wollte ich eigentlich hier zum Ausdruck bringen:
Original von Buschi
Da der Defi, bzw. das von Max geklebte EKG (ich kenne den LP1000 leider nicht) eine Nulllinie (Asystolie) anzeigt, sowie Puls und Atmung nicht mehr vorhanden sind, wird die Reanimation 30:2 begonnen. Der Patient bekommt einen Larynxtubus und wird dann durchgehend auch während der Herzdruckmassage (mit Sauerstoff versteht sich!) beatmet.


Scheint irgendwie untergegangen zu sein.

Zu der Frage 30:2 oder 15:2 habe ich zwischenzeitig mal meine Unterlagen gesichtet und darin tatsächlich beides gefunden, was ja nicht grade dazu beiträgt, die Verwirrung zu lösen...

"Mein" LRA sagt aber ebenfalls:
- in der EH auch bei Kindern 30:2
- im RD 15:2 bei Kindern

Quelle dazu: http://www.stiwl.de/fileadmin/pdf/rettungsdienst/owl_konsens/owl-konsens_pls_lra.pdf

11.05.2010, 21:13
Tja, da meine Selbsteinschätzung noch aussteht:

Ich weiss nicht recht, ich hab mich bemüht so eine Mischung aus Individualmedizin und komm. LNA auf die Reihe zu bekommen. Ein paar Dinge haben da sicherlich ganz passabel geklappt (KIT-Alarm, Sichtung, etc. ...) ein paar Dinge hätten ggf konsequenter sein können. Alles in allem stellt sich hier aber auch das Problem, welches Buschi hat: Ohne entsprechende Qualifikation einen Posten ausfüllen zu wollen ist natürlich schwierig. Als RettAss und stud.med. ist man halt noch lange kein Notarzt. :P

Ich bin auf Kritik von Extern gespannt, da ich mich selbst hier nicht vernünftig bewerten kann.
Gerrit (RettAss)
"Wir sind längst im Paradies, haben die Hölle draus gemacht!" --- ASP, Ich bin ein wahrer Satan
ASP - Sage Nein!

11.05.2010, 21:22
Zu der Frage 30:2 oder 15:2 habe ich zwischenzeitig mal meine Unterlagen gesichtet und darin tatsächlich beides gefunden, was ja nicht grade dazu beiträgt, die Verwirrung zu lösen... "Mein" LRA sagt aber ebenfalls: - in der EH auch bei Kindern 30:2 - im RD 15:2 bei Kindern

Doch - ist exakt das, was ich auch geschrieben habe - Laienhelfer (also bei dir Erste Hilfe) 30 : 2, um alles so einfach wie möglich zu gestalten, bei besser qualifizierten Helfern bei Kindern (ab 1 Jahr bis Pubertät) 15 : 2.

Wie ich schon schrieb, würde ich das einfach von Alter, Statur und Entwicklungszustand abhängig machen - und selbst wenn man mit der Einschätzung daneben liegt, wird es am Outcome auch nix ändern.

Wichtig ist halt anzumerken, dass die Ursache für den Stillstand maßgeblich unterschiedlich ist - Kinder fast immer Hypoxie (hier im Beispiel mal nicht, sondern nen Spannungspneu), bei Erwachsenen fast immer kardial bedingt. Daher auch der große Unterschied mit Initialbeatmungen und ein etwas anderes Notrufkonzept (call fast vs. call first).
Zuletzt geändert von Markus am 11.05.2010, 21:26, insgesamt 1-mal geändert.

11.05.2010, 21:32
Man sollte klarstellen:
Die 2005 ERC Guidelines trennen zwischen Profi und Laie. Ein profi ist einer, der die Maßnahmen regelmäßig übt, und in der Praxis anwendet. Wie oft Reanimiert der Durchschnittssanitäter einer Bereitschaft? ;)
Wenn man sich als Profi zählt, gilt ALS, ansonsten BLS mit 30:2


Mir fällt auf das ich gar nicht weiter auf den Rhythmus eingegangen bin, da jedoch LT fest saß, auskultation und Kapno mir recht geben, wär das also parallel gelaufen. (An ein geeignetes Gerät anschließen wär als nächstes gekommen).
" Die jungen Leute von heute sind wesentlich angenehmer als in den 60er, 70er und 80er Jahren. Sie sind toleranter und respektvoller, auch älteren Leuten gegenüber. "
- Heino

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