Fallbeispiel für die Rettungsdienstler

Notfallszenarien für Ersthelfer bis Rettungsdienstmitarbeiter.

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02.05.2012, 06:44
Zuerst mal:
Die IM-Gabe hat nichts mit der potentiellen Fehldosierung zu tun, ebenso nicht mit der mangelnden Chance einen IV Zugang zu etablieren.
Sie ist schlichtweg in relativ vielen Guidelines als Erstmaßnahme empfohlen. Es gibt relativ ausgiebige Evidenz dafür das die IM-Gabe von Adrenalin a) wirksam ist (hierfür gibt es sehr ausgiebige Evidenz) b) das Risiko kardialer Nebenwirkungen deutlich geringer ist.
So schreibem z.B.deutsche die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin/die deutsche Gesellschaft für Allergologie in ihrer aktuellen Leitlinie:
Die intramuskuläre Applikation ist
aufgrund neuerer Untersuchungen
wesentlich rascher wirksam als die subkutane oder die inhalative [87, 88]. Gegenüber der intravenösen Applikation
ist das Risiko schwerer kardialer Nebenwirkungen ganz erheblich geringer.
(...)
(Zur intravenösen Gabe -Anmerkung Krumel-)
Allerdings darf diese wegen der
Gefahr schwerer kardialer Nebenwirkungen nie unverdünnt und im Bolus erfolge

(Wobei anzumerken ist das in .de -im Gegensatz zum Rest der Welt- die nicht-kontinuierliche IV-Gabe nicht gänzlich abgelehnt wird, so auch in dieser Leitlinie)

Andere Guidelines (hier die für mich gültige australische Version) schreiben dagegen:
Intravenous boluses of adrenaline are potentially dangerous and should not be used unless cardiac arrest is imminent


Eine Gabe "aus der Hand" ist daher relativ kritisch zu sehen.

Wenn diese erfolgt hat sie das "Letzte Mittel" in einem peri-arrest Patienten zu sein, sprich einem Patienten der direkt vor dem Kreislaufstillstand steht.

Was dagegen relativ gängig ist (wobei auch wieder erst als "zweiter Angriff" falls IM-Adrenalin sich als Therapieversager herausstellt) ist eine kontinuierliche Gabe per Infusion oder (was ich persönlich bevorzugen würde) Perfusor.

Von einem "längeren Leiden" durch die IM Gabe zu sprechen zeigt nur das man a) das Konzept der Anaphylaxie nicht verstanden hat b) die aktuelle Studienlage ignoriert.
@LR: Es gibt jede Menge Studien zum Thema Resorption des Adrenalin bei IM-Gabe (Man muss bedenken das der EpiPen ja sehr sehr weit verbreitet ist weltweit, auch wenn das Konzept in .de -wohl leider auch aus berufspolitischen Gründen- noch eher "unbekannt" ist.). Der Grundtenor in 9 von 10 Studien ist die ausdrückliche Wirksamkeit.

02.05.2012, 09:32
Was mich auch etwas wundert ist die Klinikanfrage:
Was für ein Leistungsspektrum haben die Kliniken?


und dann
Wir fahren zum nächsten Krankenhaus, dem NA entgegen (sollte er aus dem 25 Minuten entfernten KH kommen und das entgegengesetzt liegen, dann dort hin). Vorab rufen wir an und fragen, ob ein Männerbett frei ist.


Letztendlich ist die Anaphylaxie ein Krankheitsbild, dass eigentlich jedes Akutkankenhaus suffizient behandeln sollte - es sind keine besonderen Disziplinen, Geräte, Ausstattungen erforderlich, das einzige, was wirklich benötigt wird, ist ein Intensivbett (was oftmals dann der limitierende Faktor ist).

02.05.2012, 09:49
Original von krumel
@LR: Es gibt jede Menge Studien zum Thema Resorption des Adrenalin bei IM-Gabe (Man muss bedenken das der EpiPen ja sehr sehr weit verbreitet ist weltweit.


Haben alle Epileptiker so nen Epi-Pen...:)?

Haust du mal kurz zwei,drei schöne Studien rein, die zB Resoprtionszeit oä. zwischen im, sc (iv etc) vergleichen? Ich hab gestern mal Pubmed gefragt, hab da allerdings wohl defintiv die falschen suchbegriffe verwendet...

02.05.2012, 12:51
@LR:

z.B.
J Allergy Clin Immunol. 2002 Apr;109(4):720; author reply 720-1.
Intramuscular versus subcutaneous injection of epinephrine in the treatment of anaphylaxis.
Chowdhury BA, Meyer RJ.

Was die Verbreitung des Epi-Pen angeht ( :P ): Die ist hier deutlich ausgeprägter/du kriegst die Dinger nachgeschmissen. Dagegen habe ich es in .de seltenst erlebt das der Patient seinen eigenen Stick dabei hatte& ich habe zuletzt für meinen Vater zu Pontius zu Pilatus rennen dürfen um ihm (einen massiven "Allergiker") so ein Teil zu besorgen.
Hier haben der Großteil der Patienten einen solchen Stick, oftmals auch Schulen, Kindergärten, usw. als "Reserve".

02.05.2012, 13:08
Klinikfrage stellt sich aber schon. Gibt hier beispielsweise zwei Krakenhäuser mit inneren Abteilungen, wo du auf keinen Fall einen echten Notfall hinbringen solltest - die dürfen da nicht mal selbstständig Verbände wechseln, weil da keine Chirurgie mit drin ist...

02.05.2012, 16:38
Naja - so ein Patient braucht erst mal keinen Maximalversorger;

Ein pfiffiger Internist, der im Optimalfall auf der Intensivstation von einem Anästhesist im Bereich des evtl. auftretenden Airway-Problems unterstützt wird, kann einen anaphylaktischen Schock gut behandeln.

Lokale Gegebenheiten ("heute hat wieder Dr. Unblutig im Krankenhaus der unbarmherzigen Samariter Dienst") können da natürlich die Entscheidung eventuell beeinflussen.

@krumel: Danke! Ich muss gestehen, in Deutschland noch bei keinem Notfallpatienten einen Adrenalin-Pen gesehen zu haben. Hin und wieder sieht man die Dinger mal, da die Patienten sie zum Aufklärungsgespräch vor Narkosen o.ä. mitbringen, aber die Verbreitung dürfte - wie du beschrieben hast - in DownUnder deutlich höher sein...

Ihr habt einfach auch mehr Viechzeugs da rumkrabbeln:)

02.05.2012, 16:51
Das hat mit Down-Under nix zu tun..Das ist ein isoliert deutsches Problem. In .ch, in den Staaten, in Italien, in UK...Egal wo du hinschaust haben die Patienten deutlich mehr EpiPens. Je nach Land ist die "Durchseuchung" tlw. bei 80% aller bekannten Allergiker.

(Und das mit den Viechern ist ein Gerücht. Ich hatte bis jetzt keinen einzigen "Viecher"-Patienten..Und ich kenne auch nur einen Kollegen der einen hatte...Und das war ein Biss beim Reinigen des Terrariums:D )

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